Auf dem Weg zur Umweltschule

Als es das Siegel „Hessische Umweltschule“ noch nicht gab, dieses wurde nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz im Juni 2007 ins Leben gerufen, machten sich bereits im Jahre 2004 die drei AKS-Legenden Sonja Hentschel, Roland Benner sowie Ernst Tschorn auf den Weg, um den Titel „Umweltschule in Europa“ zu erlangen. Wurde dieses Prädikat seinerzeit von der internationalen Stiftung für Umwelterziehung (FEE) in Kopenhagen verliehen, unterstützen nunmehr seit gut einer Dekade das Hessische Kultusministerium zusammen mit dem Umwelt-Ministerium die Schulen bei der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und vergeben für gelungene Projekte diese Auszeichnung.

Gingen Sport-Lehrer Benner und Geograph Tschorn vor 15 Jahren noch in die Hünerbergwiesen, um mit ihren Lerngruppen 100 Erlen zu pflanzen, begaben sich vor einigen Tagen der tüchtig zupackende Englisch-Lehrer Stefan Zürn mit Unterstützung von Pennälern und Eltern in die Wälder, um dort die bereits vom Kronberger Förster geschlagenen Eichenbäume zu holen, aus deren Stammabschnitten Sitzplätze gezimmert wurden, die noch in 30 zuvor ausgehobene Löcher kreisförmig eingesetzt werden sollen. Dies ist jedoch kein Holzfrevel, vielmehr werden in einem zweiten Schritt ringsum Bäume gepflanzt, die nicht nur der Beschattung dienen, sondern auch die zurzeit ungenutzte Fläche in eine Streuobstwiese verwandeln. Über solch ein „grünes Klassenzimmer“ verfügt die Schule noch nicht, und gerade in Zeiten der Covid-19-Einschränkungen ist dies ein willkommenes Projekt.

„Wir erhoffen uns, von der Möglichkeit, Schüler*innen im ‚grünen Klassenzimmer’ zu unterrichten, positive Effekte. Das selbstverständliche Gefühl, sich in der Natur wohl zu fühlen und Dinge bewusst wahrzunehmen, führt dazu, dass Schüler*innen Verantwortung für den Lebensraum Schule übernehmen“, erklären unisono Petra Duwe und Rita Eichmann, beide Biologie-Lehrerinnen und Fachbereichleiterinnen an der Altkönigschule. Umwelt-Schule zu sein, ist aber kein Wettbewerb mit wenigen Gewinnern, sondern ein Programm mit vielen erfolg­reichen Teilnehmern. So haben die Lehrkräfte der Biologie-Fachschaft im Lehrerzimmer ein Aquarium aufgestellt, für das deren Schüler*innen verantwortlich zeichnen, sie selbst betreuen eine prosperierende Frosch-Population. Deutsch-Lehrerin Anke Leidel hat mit ihrer Hauptschulklasse im Lichthof des Lehrerzimmers einen kleinen Blumengarten angelegt und in Anlehnung an den einst von Tschorn gepflegten Schulteich plant Nachfolger Zürn nicht nur die Wiederanlage eines solchen Kleinbiotops, sondern auch die eines Bienen-Gartens in Ergänzung zum existierenden Insektenhotel. Das nennt man nachhaltig!

Während gerade erst EU-Richtlinien zum Verbot von Plastikbesteck national umgesetzt werden, sind Vertreter der AKS sowie des Taunusmenü-Service längst in Verhandlungen, um Plastikbestecke für die „to-go“-Gerichte (früher nannten wir so etwas „zum Mitnehmen“) durch ein neues System zu ersetzen. Bereits vor zwei Jahren hat die Schule im Rahmen des Projektes „Zerowaste“ angefangen, plastikfreie Schulhefte (ohne Plastikumschlag) zu verwenden, die ehemalige Unterstufenleiterin Sabrina Noll hatte hier einstmals mit den Schnellheftern aus Pappe den Grundstein gelegt. Um das Großprojekt „Plastikfreier Schulalltag“ weiter voranzutreiben, ist die Schulgemeinde aufgefordert, nach weiteren Plastikprodukten zu suchen, die ersetzt werden können. Da wir in unserer modernen Gesellschaft jedoch so schnell nicht auf Plastik werden verzichten können, hat sich die neu gewählte Schülervertretung des Themas Mülltrennung in den Klassenräumen angenommen und ein entsprechendes Konzept in der SV-Sitzung vorgestellt.

Letztendlich gliedert sich das Vorhaben nahtlos in das große Thema „Ökologischer Fußabdruck“ ein: „Bei der letzten Oberstufenkonferenz haben wir den Beschluss gefasst, dass Kursfahrten nicht mehr als Flugreisen stattfinden dürfen“, erläutert hierzu Oberstufenleiterin Ute Keppler. Generell gewinnt die Fortbewegung ohne Verbrennungsmotoren wieder an Zulauf: Sportlehrerin Nicole Ensminger hat mit ihrer sechsten Klasse an dem kreisweiten Wettbewerb „Besser zu Fuß oder mit dem Fahrrad“ teilgenommen und dabei eine süße Belohnung eingeheimst, gehörte ihre Lerngruppe doch zu den bewegungsfreudigsten Klassen im ganzen HTK. Vielleicht wirkt dies ja so motivierend, dass nicht nur die Zahl der „Eltern-Taxis“ reduziert werden kann, sondern das E-Bike künftig das „Firmenfahrzeug“ für Lehrer*innen wird.

Kein Wunder, dass Schulleiter Martin Peppler mächtig stolz ist auf sein Kollegium: „Durch solche eine Auszeichnung würde das Engagement einer ganzen Reihe von Kolleg*innen zu Recht belohnt. Für die nächsten Projekte, die anstehen, wäre dies genau der Rückendwind, den wir bräuchten!“

Holzschlag und radeln für die gute Sache: Die AKS ist auf dem Weg zur Umweltschule.

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